Dienstag, 22. Juli 2008

Retro-Review: "Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt"


Seid gewarnt, die Kritik enthält Spoiler zu Teil 2 und 3 der Piraten-Trilogie!

Alles begann mit einer Attraktion. Schon vieles gab es als Vorlagen für Filme: Bücher, Comics, Videospiele. Hollywood ist im Adaptionswahn. Doch eine Themenpark-Attraktion zu verfilmen, darauf kam niemand. Bis 1997. Disney testete es als TV-Film, und zwar wurde die sehr populäre Attraktion Tower of Terror aus den Disney MGM-Studios in Orlando, Florida verfilmt. Das Publikum reagierte positiv . 2000 kam eine weitere Verfilmung einer Attraktion: Mission to Mars. Der Film floppte und konnte seine Produktionskosten nicht einspielen. Trotzdem klemmte man sich immer noch hinter Theme-Ride Verfilmungen und es tauchten schon kamen Ideen und Konzepte zur Verfilmung einer der beliebtesten und bekanntesten Disneyland-Attraktionen auf: Pirates of the Caribbean. Nach dem Flop von Mission to Mars lies man die Pläne für den Piratenfilm erst einmal ruhen... Bis 2002 endlich die Produktion von Fluch der Karibik (Originaltitel Pirates of the Caribbean - The Curse of the Black Pearl) startete. Der Film feierte am 28. Juni 2003 seine Premiere im Disneyland Anaheim und kam am 9.Juli 2003 offiziell in die amerikanischen Kinos. Der Film wurde ein Welterfolg, wurde Kult und könnte kaum bekannter sein. Die Kritiker lobten den Film, Johnny Depp war für seine Rolle als Captain Jack Sparrow für den Oscar nominiert: Die Piraten waren zurück!

Die Piratenattraktion im Disneyland

Für Disney war klar das eine Fortsetzung kommen musste. Nach vielen Startschwierigkeiten wurden Teil 2 und 3 dann "Back to Back", also Parallel gedreht. Pirates of the Caribben - Dead Man´s Chest kam am 7. Juli 2006 in die Kinos der USA und wurde von den Kritikern eher verhalten aufgenommen: "Die Storyhänger und Logiklöcher nehmen dem Film die Fahrt". Das Publikum sah das anders und Fluch der Karibik 2 brach übertrieben viele Einspielrekorde und rangiert mit einem insgesamten Einspielergebnis von 1.064.511,812 Dollar auf Platz 3 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten (Alles nur wegen mir, ich war zweimal drin xD). Er wurde für 4 Oscars nominiert und gewann einen für die gigantischen Spezialeffekte. Fluch der Karibik 2 endete mit einem gewaltigen Cliffhanger: Captain Jack Sparrow opferte sich (eher unfreiwillig) dem Kraken, die East India Trading Company hat das Herz von Davy Jones und kann somit die Weltmeere kontrollieren. Und als am Ende dann auch noch Captain Barbossa auftauchte um "den einmaligen Jack zurückzuholen" und "dem Irrsinn zu trotzen Am Ende der Welt" hatte ich Gänsehaut... und musste mich fast ein Jahr lang gedulden um die Piraten wieder zurück auf der leinwand zu sehen. Nach dem fast schon unerträglichen Gewarte auf den Trailer kam dieser im März 2007, erst 2 Monate vor dem Kinostart, dann auch endlich und schürte meine Erwartungen gewaltig. Der Film startete am 24. Mai 2007 weltweit, brach gleich wieder einige Rekorde und ist mit einem Einspiel von 961 Millionen Dollar der fünft erfolgreichste Film aller Zeiten. nach vielen eher negativen und mittelmäßigen Kritiken, fragte ich mich ob der Film mich eigentlich überzeugen konnte oder noch schlechter wurde: Ja, er konnte!

Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt hat alles was großes Kino ausmacht, der erste ist trotzdem besser.

Nebel liegt in der Luft. Kettenrasseln. Die Stimmung ist düster. Hunderte Piraten sollen gehängt werden, alles auf Anweisung von Lord Cuttler Beckett (Tom Hollander), Oberhaupt der East India Trading Company. Ein Kind, das ebenfalls gehängt werden soll, fängt an ein Lied zu singen, bis alle Gefangenen mitsingen: Hisst die Flagge!
So beginnt der dritte Teil der Piratensaga. Die East India Trading Company hat die Macht über die Meere! Währenddessen ist die Crew der Black Pearl inklusice Captain Barbossa (Geoffrey Rush), Elizabeth Swann (Keira Knightley) und Will Turner (Orlando Bloom) in Singapur. Sie brauchen eine Karte des asiatischen Piratenlords Sao Feng (Chow Yun-Fat) um Captain Jack Sparrow aus dem Reich von Davy Jones in die richtige Welt bringen, denn das Schicksal aller Piraten steht auf dem Spiel. Und jeder muss schauen auf welcher Seite er steht...

"Willkommen in Singapur!"

Allein die oben erwähnte Anfangssequenz ist eine absolute Gänsehautszene. Die Stimmung ist einfach grandios eingefangen. Man merkt das es dem Ende zugeht. Trotzdem ist der dritte Teil der Trilogie wieder gutes Spaßkino. In vielen Kritiken heißt es der Film sei langweilig und ziehe sich. das kann ich gar nicht nachvollziehen. Der Film hat ein gutes Tempo: Allein die Szene in Singapur ist rasant: Es gibt Filme die langweiliger anfangen, hier ist man sofort mitten im Geschehen. Doch kommen wir jetzt mal säuberlich zur eigentlichen Kritik:

Wie auch sonst fange ich mit den Schauspielern an: Johnny Depp, da kann man einfach nichts anderes sagen, spielt seine Rolle mal wieder großartig. Ob die Szenen im Reich von Davy Jones oder im Rest des Films: Man nimmt ihm die Rolle wieder genauso ab, wie sonst auch. Ohne Johnny Depps außergewöhnliche Leistung, wären die Filme einfach undenkbar. Auch wenn das mit seinem Gewissen zu viel des Guten war.
Geoffrey Rush ist eine klare Bereicherung des Films, seine Rolle als Barbossa ist zwar nicht so kultig wie die von Jack Sparrow, aber trotzdem eine tolle. Man merkt bei beiden einfach wie viel Spaß sie bei diesen Rollen hatten. Und Barbossa ist hier sogar mehr Held als sonst, im Gegensatz zu den Hauptrollen ist er eigentlich der einzige "Nicht-Verräter"
Keira Knighltey spielt ihre Rolle eigentlich genauso wie in Teil 2: Wilder und rebellischer, aber nie wirklich überwältigend.
Das gleiche kann man eigentlich über Orlando Bloom sagen. Seine Rolle ist zwar viel präsenter als sonst und gut gespielt, aber irgendwie langweilig.
Die Nebenrollen wurden auch gut besetzt: Über Pintel und Ragetti muss man immer noch lachen. Gefreut hat mich, das Murtog und Mullroy wieder dabei sind: Auch wenn die Dialoge nicht mehr so originell wirken wie bei Fluch der Karibik sind die beiden immer noch ein gutes Paar, das doch immer wieder für Lacher sorgt.

"Vier von euch haben versucht mich umzubringen - Einer ist es gelungen"

Kommen wir zu den Handfesteren Dingen: Die Sets sind wieder einmal eine Wucht, sowas von großartig und authentisch. Allein nur das Set von Singapur, von dem man wirklich denkt es sei wirklich echt und nicht in irgendeinem Studio, ist einfach genial. Noch besser fand ich allerdings Shipwreck City, die Stadt, die nur aus abgewrackten Schiffen besteht. Die Atmosphäre ist hier richtig klasse und hat das richtige Piratenflair, an welchem es dem zweiten leicht mangelte. Regisseur Gore Verbinski und Produktionsdesigner Rick Heinrichs schaffen es, hier eine absolut real wirkende, lebendige Welt auf die Leinwand zu zaubern.

Eigentlich dachte ich ja, dass der zweite Teil in Sachen visuelle Effekte nicht mehr übertroffen werden kann. Jo, da hab ich mich geirrt. Die Effekte sind auf dem allerneusten Stand und sind einfach die besten die es bisher gab, und da braucht auch keiner mit Herr der Ringe ankommen. Die Maelstrom-Szene ist nicht nur einer der besten Showdowns der Filmgeschichte, sondern auch der best gemachteste. Wenn man daran denkt das Wasser, dass aller schwierigste zu animieren ist, da fällt einem echt nichts mehr ein. Man sieht dem Film seine über 300 Millionen Dollar Budget schon an. Da ist es ein schlechter Witz, dass die durchschnittlichen Effekte von Der goldene Kompass sich gegen die hier wohl besten Effekte überhaupt, bei der Oscarverleihung durchgesetzt haben.

Ein ganz klarer Pluspunkt ist auch der Soundtrack. Hans Zimmer hat sich hier selbst übertroffen. Anstatt sich, wie sonst, selber zu kopieren hat er hier einen epischen und tollen Soundtrack abgeliefert.

"Vergesst nicht unsere Freunde, die Tintenfische. Mit ihren kleinen komischen Würstchen."

Was für mich ein Plus und ein Minuspunkt ist, ist das Drehbuch. Das gute ist, dass hier eine große Palette an Wendungen, neuen Figuren und neuen Schauplätzen geboten wird. Das negative sind einfach die großen Schwächen: manchmal einfach zu komplex, zu abgedreht und die Figuren wirken leblos.

Fazit: Pirates of the Caribbean - Am Ende der Welt ist einer der visuell beeindruckensten Filme der letzten Jahre. Gore Verbinski hat einen würdigen Abschluss der Trilogie geschaffen, der im Schauspielerischen Aspekt, in den Sets, in den Effekten und in den gigantischen Actionsequenzen einfach einzigartig ist und den es auch so nicht mehr geben wird. Ein großes Problem sind die Drehbuchschwächen und manchmal ist er einfach zu abgedreht (Ich sage nur noch Multiple Jacks). Wer darüber hinwegsehen kann wird mit richtig großem Kino belohnt, das sich nie selbst zu ernst nimmt und eine richtig tolle Disney-Piraten Atmosphäre hat. Und alles fing mit einer Attraktion an!

"Yo-Ho, Yo-Ho, A Pirates life for me!"





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